Über die Nordmänner und den Weltenbaum
Woher komm' unsere Namen und wat steckt dahinter ?
Yggdrasil der Weltenbaum
Yggdrasil is’ der große Weltenbaum, ’n uraltes Gewächs, das alles zusammenhält wie ’n richtig guter alter Ankerplatz. Seine Äste ragen so hoch, als würden sie den Himmel festhalten, und die Wurzeln gehn runter, tiefer als jeder Fischer jemals ausgelotet hat. Da hängen die neun Welten dran, stramm wie Netze im Wind. Egal wie doll die Zeiten wehen – Yggdrasil steht da, ruhig wie ’n alter Findling auf Rügen.
Die Welten rund um Yggdrasil waren mit so’n Regenbogen-Weg verbunden – Bifröst genannt. Sah aus wie’n schicker Himmelspfad, taugt aber nur für Götter. Normale Menschen wärn da ruckzuck abgefackelt.
Thor, der Donnergott
Thor is’ der Kerl, der auftaucht, und du schon am Schritt hörst: „Jetzt geht watt los.“Breit wie ’n Buhnenfeld, Bart wie Sturmholz und Kraft wie ’n ganzer Herbstorkan. Wenn draußen der Donner rollt, dann is’ dat meist Thor, der wieder ’n Riesen umgenietet hat oder einfach schlechte Laune hatte. Er is’ keiner für lange Reden – aber wenn’s eng wird, steht er da wie ’n alter Kutter, der schon hundert Stürme überstanden hat.
Man dacht früher wirklich, dat die Götter in den Wolken hocken und von oben zugucken, wat wir Menschen anstellen. Wenn’s gewittert hat, hieß dat: Thor is wieder mit’n Hammer am Poltern.
Allvater Odin
Odin, der Einäugige, is’ der alte Steuermann von Asgard. Einer, der mehr weiß, als er sagt, und mehr denkt, als andere überhaupt begreifen könnten. Er hat für Wissen sein Auge hergegeben – das macht kein Dummkopf. Mit seinen Raben hat er überall Ohren, und wenn er da sitzt und in die Ferne glotzt, dann sieht’s aus, als würd er grad über die nächste große Flut nachdenken.So’n richtiger alter Küstenkopf: ruhig, aber mit ’nem Blick, der alles durchschaut.
Odin hat sich freiwillig ein Auge aus’m Schädel geruppt, nur um’n Schluck aus’m Brunnen der Weisheit zu kriegen. Wissen war ihm wichtiger als Durchblick – dat nennt man Einsatz
Baldur
Balder is’ der Helle, der Freundliche – wie ’n klarer Sommertag ohne Wind, der fast schon unheimlich still ist.Alle mögen den, wirklich alle. Er is’ so’n Mensch, zu dem selbst ’n mürrischer Fischer freundlich nickt. Und wie dat so is’ im Leben: Wenn einer zu gut is’ für die Welt, passiert früher oder später irgendwas, was keiner will. Balder bringt Licht, aber das Licht zieht eben auch Schatten nach sich.
Baldur war eigentlich unverwundbar, bis irgendwer gemerkt hat, dat man das harmlose Mistelzweiglein vergessen hatt‘. Und genau dat klitzekleine Ding hat ihm am End den Rest gegeben. Tja – manchmal kommt dat Verderben von ganz leise.
Drache Níðhöggr
Níðhögg is’ ’n richtig dunkles Vieh. So’n Drache, der unten an den Wurzeln von Yggdrasil rumkaut wie ’n unzufriedener Wurm, der sich vorgenommen hat, dat ganze Holz durchzuziehen. Der frisst, was unten rumliegt, und je mehr’s gammelt, desto besser scheint er’s zu finden. Wenn der sich bewegt, klingt’s wie aufgeweichter Boden nach langem Regen. Und wenn er grinst, weißte: Da geht gleich wieder wat kaputt.’n richtiger Störenfried, der den Untergrund unruhig hält.
Ratatöskr, dat freche Eichhörnchen, hat nich einfach Nachrichten überbracht – dat Vieh hat gern ein bisschen gepfeffert, übertrieben und falsch weitererzählt. Nordischer Buschfunk in Pelzmantel, sozusagen.
Ratatöskr
Ratatöskr is’ dat flinkste kleine Großmaul am ganzen Baum. Ein Eichhörnchen, das keine Ruhe kennt und ständig zwischen oben und unten rumhuscht. Kein Wind is’ so schnell wie dieses Vieh. Und immer hat’s ’ne Nachricht, ’nen Spruch, ’nen Seitenhieb im Gepäck. Was der Adler oben sagt, bringt Ratatoskr so runter, dass Níðhögg sich ärgert. Und was Níðhögg knurrt, trägt er wieder so hoch, dass der Adler die Federn sträubt. tOhne den wär’s oben am Baum wahrscheinlich fast gemütlich – aber so is’ halt immer Action.
Ganz oben im Baum hockt der Adler und kriegt dat meiste mit.
Wat der hört, landet irgendwann bei Ratatöskr… und von da unten bei Nidhöggr.
Ein einziger Klatsch kann da oben ’ne handfeste Götterzirkus-Krise auslösen.
Der Adler
Ganz oben, wo der Wind richtig pfeift, sitzt der große Adler. Stolz, ruhig, und mit Augen, die alles sehen, ob du willst oder nich’. Der guckt runter auf Götter, Riesen und alles, was sich bewegt, und wirkt dabei wie ’n alter Küstenwächter, der jeden Sturm kennt und sich von nix beeindrucken lässt. Er spricht selten – aber wenn er’s tut, dann trifft’s wie ’n kalter Windstoß im Nacken. Mit Níðhögg unten hat er so ’ne Feindschaft laufen, und Ratatoskr sorgt dafür, dass keiner von beiden jemals vergisst, warum.